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Unsere Arbeit

Seit Anfang des 21.Jahrhunderts breitet sich  der  Bienenfresser  (Merops apiaster)  auch  in  Rheinland-Pfalz sehr stark aus. Kam es Anfang/Mitte der 1990er Jahre zu ersten Bruten im Land ( siehe Chronologie), bildete sich ab dem Jahre 2000 die erste grössere Kolonie im Raum Kirchheimbolanden. Etwas später kam eine weitere Ansiedlung im Raum Ingelheim bei Mainz dazu. In den letzten Jahren wurden dann im gesamten Bundesland immer neue kleinere und auch grössere Kolonien, sowie vereinzelt brütende Bienenfresser bekannt.
Im Rahmen eines Beringungsprojektes der Vogelwarte Radolfzell versuchen wir
verschiedenste Fragen zu klären. Zum Beispiel:

- Woher rekrutieren sich die einzelnen Kolonien?
- Gibt es eine Art "Vernetzung" zwischen den einzelnen Kolonien in Deutschland?
- Brutbiologie des Bienenfressers
- Standorttreue von adulten und juvenilen Bienenfressern
- Populationsdynamik usw. usw.

Ab Mitte Mai kontrollieren wir deshalb regelmässig alle uns bekannten Standorte des Bienenfressers aus dem Vorjahr. Gleichzeitig fahren wir Stellen ab, die uns entweder aus der Bevölkerung gemeldet wurden oder wir für potenzielle Brutstätten halten. Dabei werden erste Daten erhoben, wie z.B. Anzahl der Vögel. Sobald einzelne Standorte bekannt sind, werden diese die gesamte Brutzeit über mindestens einmal wöchentlich kontrolliert, um so auch die genaue Lage der Brutröhren zu bestimmen, was bei der späteren Beringungsarbeit von Vorteil ist. Wir arbeiten auch sehr eng mit den entsprechenden Grundstückseigentümern zusammen, da diese oftmals nicht wissen, was sie für ein Juwel auf ihrem Grundstück haben. Sobald sie aber wissen, was es mit dem Bienenfresser so auf sich hat und was wir mit unserer Arbeit bezwecken, klappt die Zusammenarbeit meist einwandfrei. Die Aufklärungsarbeit bei Grundstückseigentümern und der Bevölkerung macht dabei einen grossen Teil unserer Arbeit aus, da nur so die Akzeptanz dieses einmaligen Vogels in der Bevölkerung gewährleistet ist. Was dies für Früchte tragen kann, zeigen die stetig steigenden Zahlen an Brutpaaren im Osten Deutschlands.
Sobald nun die einzelnen Brutpaare bekannt sind, beginnen wir von Anfang Juli bis Mitte August mit der systematischen Beringung der Altvögel. Diese Beringung geschieht zum Ende der Brutphase, da dann der Fütterungsintervall des Bienenfressers so gross ist und ein schneller Fangerfolg zu erwarten ist. Damit aber auch hier die Störungen so gering als möglich gehalten werden sollen, fangen wir nur an höchstens zwei Tagen pro Brutpaar. Beim Fang der Altvögel werden verschiedene Daten erhoben, wie z. B. Geschlecht, Flügel- und Federlänge. Der Fang selbst beeinträchtigt die Bienenfresser in keinster Weise, so das sie nach kurzer Zeit wieder mit dem Füttern der Jungen beginnen. Auch die hohen Wiederfangraten und der hohe Bruterfolg sprechen dafür, das die Beringung den Vögeln nicht schadet. Die Beringung selbst ist durch eine Ausnahmegenehmigung der Struktur- und Genehmigungsbehörde Süd in Neustadt/Weinstrasse erlaubt. Ausserdem erfolgt nur eine Beringung , wenn der Grundstückseigentümer ebenfalls einverstanden ist. Leider mussten wir, wie auch verschiedene andere Kollegen in Rheinland-Pfalz, feststellen, das viele bekannte Kolonien sehr stark durch einsetzenden "Ornitourismus" gestört wurden und es hierbei auch zu vorzeitigen Brutabbrüchen kam. Diesen Störfaktor in geregelte Bahnen zu bekommen, wird auch ein Bestandteil unserer Arbeit sein. Wie schon erwähnt helfen uns hierbei sehr stark die einzelnen Grundstückseigentümer bzw. Gebietsbetreuer.
Im Jahr 2009 fanden keine Beringungen statt, da die Kolonien durch verschiedene äußere Einflüsse so gestört waren und man deswegen weitere Störungen vermeiden wollte.